Eröffnung der Wanderausstellung "Die Reformation im Emsland und der Grafschaft Bentheim" im Rathaus der Gemeinde Geeste fand großes Interesse

 

Viele interessierte Besucher hatten sich zur Eröffnung der Wanderausstellung „Die Reformation im Emsland und der Grafschaft Bentheim“ im Rathausfoyer der Gemeinde Geeste eingefunden und freuten sich auf die Beiträge der Gastredner, den Präsidenten der Emsländischen Landschaft, Hermann Bröring, Pastor Thorsten Jacobs von der Ev-luth. Kirchengemeinde Dalum und Dr. Andreas Eiynck, Leiter des Emslandmuseums Lingen.

 

Die Ausstellung „Die Reformation im Emsland und der Grafschaft Bentheim“ entstand auf Initiative des „Arbeitskreises Reformation“ der Emsländischen Landschaft für die Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim. „Die Geschichte der Landkreise Grafschaft Bentheim und Emsland ist ein wesentliches Standbein der Emsländischen Landschaft“, berichtete Hermann Bröring und wies darauf hin, dass die Emsländische Landschaft bereits 2019 ihr 40-jähriges Bestehen feiert. Aus seiner Zeit als Landrat erzählte der Präsident der Emsländischen Landschaft, dass der damalige Zuzug an Aussiedlern den Bestand der evangelischen Kirchen in der Region gesichert und auch dem Landkreis gut getan hat.

 

„Mit der Erstellung der Ausstellung beauftragte die Emsländische Landschaft Dr. Andreas Eiynck, der für uns immer ein verlässlicher Partner ist“, verrät Bröring und wünscht sich, dass die Wanderausstellung auch dazu beiträgt, dass Ökumene richtig begriffen und der Zugang zu neuen Kulturen, gerade in Hinsicht auf die aktuelle Flüchtlingswelle, erleichtert wird.

 

Pastor Thorsten Jacobs berichtete von einem regelrechten Kult, der derzeit um Martin Luther entsteht. Viele neue Bücher und auch viele neue Artikel sind in letzter Zeit entstanden. Dies unterstrich er indem er sogleich eine Luther-Playmobil-Figur und eine Luther-Badeente präsentierte. Ob diese im Sinne Martin Luthers sind, bezweifelte er und verwies lieber auf die Ideen und Beweggründe des Martinus Luther, der keinesfalls beabsichtigte die Kirche zu spalten sondern vielmehr eine Reformation anstrebte. Denn Luther, selber Augustinermönch, haderte mit den Ablassbriefen, die es ermöglichten sich, aber auch Verwandte und Bekannte, aus dem Fegefeuer befreien zu können. Diese Praxis kritisierte Luther und verfasste diese Kritik in seine Thesen, die sich bis in die Gegenwart auswirken. „Von den Thesen bleibt die Erkenntnis, dass Kirche stets zu reformieren bleibt und mit der Zeit gehen muss“, berichtete Jacobs und informierte, dass zum Beispiel die Ökumene in Dalum hervorragend funktioniert. Einen Termin sollten sich die Besucher bereits vormerken, bat Jacobs, denn am 13. August wird ein großes Mittelalterfest zu Ehren Martin Luthers in Dalum veranstaltet.

 

„Wesentlich zum Erfolg Martin Luthers haben sicherlich die damaligen „Neuen Medien“ wie Buch- und Bilderdruck beigetragen“, war sich Dr. Andreas Eiynck sicher und erklärte dem interessierten Publikum den Verlauf der Reformation in den unterschiedlichen Territorien der Region Emsland-Bentheim. Denn gemäß dem Grundsatz „cuius regio ejus religio“ (wer das Land regiert bestimmt die Religion) wechselte mit der Landesherrschaft häufig auch die Konfession – etwa von der lutherischen Richtung zum Calvinismus oder vom Calvinismus zum katholischen Glauben (Gegenreformation). Und nicht immer folgten die Untertanen in Glaubenssachen ihrem Landesherrn. Im 17. Jahrhundert war der lutherische Glauben in dieser Gegend sogar beinahe verschwunden. Nachdem zu Beginn des 18. Jahrhunderts von der preußischen Landesregierung auch lutherische Beamte in der Grafschaft Lingen eingesetzt wurden, errichtete man dort neben der reformierten Hohen Schule die heutige Kreuzkirche für eine kleine lutherische Kirchengemeinde. „Erst nach dem 2. Weltkrieg nahm die Zahl der evangelisch-lutherischen Christen stark zu, da viele Flüchtlinge und Vertriebene aus den Ostgebieten Lutheraner waren“, beschrieb der Museumsleiter die Entwicklung der Lutheraner in der Region.

 

Die 17 Informationstafeln hängen noch bis zum 24. März im Rathausfoyer. Danach zieht die Wanderausstellung nach Lathen um.

 


 

 

(Fotos v.o.n.u.: Gemeinde Geeste, Gemeinde Geeste, Gemeinde Geeste, Gemeinde Geeste, Gemeinde Geeste)