LIDAR-Prospektion der Kriegsgräberstätte Dalum

 

Im August 2020 haben Wissenschaftler der „Interdisziplinären Arbeitsgruppe Konfliktlandschaft“ (IAK) ihre Untersuchungen der Kriegsgräberstätte Dalum im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit der Gedenkstätte Esterwegen fortgesetzt. Die IAK besteht aus Historikern, Archäologen sowie Geowissenschaftlern und befasst sich mit gewaltgezeichneten Orten und Räumen.

 

Ziel des Vorhabens bleibt, die Lage von Grabstellen auf dem Areal zu detektieren und deren Dimension zu dokumentieren. Noch ist unklar, wie viele Opfer der NS-Gewaltherrschaft – insbesondere sowjetische Kriegsgefangene - im Bereich des Friedhofs begraben sind: die Forschung spricht von 8.000 bis 16.000 Menschen. Das „Erfassungsprojekt“ des Archivs der Gemeinde Geeste unter Leitung von Martin Koers bringt derzeit zunehmend mehr Details und Biografien ans Licht.

 

Im August konnten nun erstmals umfassend geowissenschaftliche Verfahren und Technologien vor Ort eingesetzt werden: Neben einer geodätischen Vermessung des Geländes kamen zwei Drohnen sowie ein terrestrischer Laserscanner zur (Fern-)Erkundung der Bodenoberflächen zum Einsatz. Der Fokus der Untersuchung lag bei der Detektion kleinster an der Oberfläche noch messbarer Spuren von Bestattungsstellen, da neben Einzelgräbern auch Massengräber auf dem Gelände vermutet werden. Erste Indizien, die diese Vermutung bestätigen könnten, sind in dieser Voruntersuchung gefunden worden. Die Prospektion ist ein erster vorbereitender Schritt auf dem Weg zum „Sommerschule 2021“ auf der Kriegsgräberstätte Dalum im Rahmen des Projektes „Jugend erinnert: Boden | Spuren“, das mit Mitteln des Bundes auf drei Jahre gefördert wird. Die Sommerschule, bei der die Universität Osnabrück (Arbeitsgruppe Konfliktlandschaftsforschung: Prof. Dr. Christoph Rass/ Dr. Andreas Stele) mit der Gedenkstätte Esterwegen kooperiert, hat sich die Integration von geoarchäologischen Methoden in die Gedenkstättenarbeit zum Ziel gesetzt.

 

Ursprünglich sollte die Sommerschule bereits in diesem Jahr stattfinden, wurde dann auf Grund der Pandemielage auf das kommende Jahr verschoben. Mit zerstörungsfreien, geoarchäologischen Methoden sollen die eigentlichen Grablagen von mehreren Tausend kriegsgefangenen Angehörigen der Roten Armee, die in den Emslandlagern und in Arbeitskommandos umgekommen und unter anderem auf dem Areal begraben worden sind, ermittelt werden. Die Befunde sollten dann in ein digitales Modell der Kriegsgräberstätte eingebracht werden, welches auch die Herkunftsregionen der Opfer repräsentiert.

 

 

(Fotos v.o.n.u.: k.A.)