Neue Ausstellung zu den Schicksalen sowjetischer Kriegsgefangener in den Emslandlagern 1941-1945 

Eröffnung am 30. Juni

In den Emslandlagern und zahlreichen regionalen und überregionalen Arbeitskommandos starben zwischen 1941 und 1945 tausende Kriegsgefangene aus den 15 Teilrepubliken der ehemaligen Sowjetunion. Ihre Namen und Schicksale waren bislang zumeist nicht oder nur wenig bekannt. In einem Projekt des Archivs der Gemeinde Geeste in Kooperation mit der Gedenkstätte Esterwegen arbeiten ehrenamtlich tätige „Erfasserinnen und Erfasser“ seit 2019 dieses Thema auf. Eine Ausstellung im Rathaus der Gemeinde Geeste präsentiert einen ersten Überblick über dieses Projekt zur Schicksalsklärung. Die Eröffnung findet am Donnerstag, 30. Juni 2022, um 18 Uhr statt.

 

Im Emsland und in der Grafschaft Bentheim zeugen die jeweiligen „Lagerfriedhöfe“ der Kriegsgefangenenlager Oberlangen, Wesuwe, Versen, Fullen, Groß Hesepe, Dalum, Wietmarschen/Füchtenfeld, Bathorn und Alexisdorf/Neugnadenfeld (heutige Bezeichnung: „Kriegsgräberstätten“) noch heute von diesem dunklen Kapitel der neueren Geschichte.

 

Ziel des Projektes sei es, zu möglichst vielen sowjetischen Kriegsgefangenen detaillierte Angaben zur Biografie, zur Gefangenschaft und zur letzten Ruhestätte zusammenzutragen, so Martin Koers, Archivar der Gemeinde Geeste und Co-Leiter der Gedenkstätte Esterwegen. Vorrangige Quelle für diese Recherchen ist die russische Online-Datenbank „OBD Memorial“, in der zahlreiche Dokumente digitalisiert vorliegen, darunter Personalkarten (zum Teil mit Fotos), Sterbefall-Anzeigen, Grablagenlisten, Verlustmeldungen und Krankenblätter von sowjetischen Kriegsgefangenen.

  

Diese umfangreichen Bestände ermöglichen es, „den Menschen ihren Namen, vielleicht sogar ihr Gesicht wiederzugeben“, betont Koers. Derzeit seien Angaben zu annähernd 16.000 sowjetischen Kriegsgefangenen und zu Tausenden von Arbeitskommandos in der Datenbank erfasst, die von Michael Bradtke betreut wird. Die Ausstellung im Rathaus der Gemeinde Geeste zeigt 16 ausgewählte Biographien aus dem Erfassungsprojekt mit Bezug zu den Emslandlagern.

  

Die weitere Erfassung und Auswertung der genannten Dokumente werde sicherlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Wer Interesse daran hat, dieses Projekt zu unterstützen, melde sich gerne bei Martin Koers (per E-Mail an archiv@geeste.de oder telefonisch unter der Nummer 05937 69-0). Es sind keine Vorkenntnisse notwendig; die Mitarbeit ist von zuhause aus über Internet und E-Mail-Kontakt möglich.

 

 

(Fotos v.o.n.u.: OBD Memorial)