Schmuck, Familienfotos, Papiere - Schicksale von zehn KZ-Häftlingen und deren persönlichen Gegenstände

Ausstellung #StolenMemory in Dalum auf dem Rathausplatz

 

Seit dem 23. September bis zum 6. Oktober ist auf dem Rathausplatz in Dalum die Wanderausstellung „#StolenMemory“ der Arolsen Archives zu sehen. Im Mittelpunkt stehen die Schicksale von zehn KZ-Häftlingen aus verschiedenen europäischen Ländern, deren persönliche Gegenstände bei den Arolsen Archives aufbewahrt werden. Rund 2.500 Gegenstände warten noch, und so lädt die Ausstellung Besucher ein, selbst auf Spurensuche zu gehen und dabei zu helfen, die von den Nazis gestohlenen Erinnerungsstücke zurückzugeben.

 

Schmuck, Erinnerungsfotos, Papiere – die Nazis nahmen ihren Opfern bei der Verhaftung alle persönlichen Sachen ab. Einige Tausend dieser Gegenstände aus den Konzentrationslagern gibt es noch. #StolenMemory sucht die Familien der Opfer und gibt die Sachen zurück. Unterstützt von Freiwilligen wird nach Angehörigen der NS-Opfer gesucht.

 

„Jahre und Jahrzehnte sind seit der Zeit der Nazi-Verbrechen vergangen, und ein Prozess des Verarbeitens, aber auch des Vergessens und Verschweigens setzte ein“ so Bürgermeister Helmut Höke bei der Eröffnung mit über 30 Geschichtsinteressierten. „Die Zeitzeugen werden weniger, und es bleibt eine wichtige Aufgabe, gegen das Vergessen anzukämpfen damit sich Geschichte nicht wiederholt. Wir müssen es als unsere Aufgabe ansehen, mit Debatten rund um Erinnerung und Aufarbeitung der NS-Zeit, politische Verfolgung und Rassismus das Thema lebendig erhalten. Daher sind wir sehr glücklich darüber, dass die Gemeinde Geeste ein Standort der Ausstellung sein darf.“

 

Der Ausstellungsort Dalum ist bewusst gewählt. Von November 1944 bis Kriegsende 1945 diente das vormalige Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht ("Lager XII Dalum") als Außenlager des KZ Neuengamme, zunächst für mehr als 1.000 zivile Zwangsarbeiter aus Rotterdam, dann für Neuengammer KZ-Häftlinge - überwiegend Widerstandskämpfer aus Skandinavien, insbesondere aus Dänemark, zudem Niederländer aus Putten. Die harten Arbeits- und Lebensbedingungen sowie willkürliche Übergriffe der Wachmannschaften führten in den Wintermonaten 1944/45 zu mehr als 90 Todesfällen in Dalum. Weitere 20 bis 25 Dalumer KZ-Häftlinge kamen während der Evakuierungsmärsche und -transporte Ende März 1945 ums Leben.

 

Martin Koers, Historiker und Archivar der Gemeinde Geeste beschreibt, wie wichtig es ist, den Toten der Lager einen Namen und ein Gesicht zu geben. Ehrenamtliche Erfasser werten eine russische Datenbank aus, um festzustellen, wer unter anderem auf der Kriegsgeräberstätte Dalum begraben wurde, und geben durch die Schicksalsklärung den Toten nach und nach ihre Identität zurück. Gemeinsam mit der Universität Osnabrück und der Gedenkstätte Esterwegen untersuchen im September Studiernde den Lagerfriedhof Dalum äußerst genau. Die Gräber werden präzise vermessen und kartiert. Angehörige haben nach vielen Jahren der Ungewissheit die Möglichkeit, die Gräber ihrer verstorbenen Vorfahren zu besuchen, und nehmen dabei lange Reisen, z. B. aus Russland oder Dänemark, auf sich.

 

„Dass es noch so viele Effekten gibt ist eher dem Zufall geschuldet“ erklärte Charlotte Großmann von den Arolsen Archives. „Zum Ende des Krieges lautet der Befehl, alle Effektenkammern, so nannte man die Räume mit den persönlichen Gegenständen der Inhaftierten, zu vernichten. Einige Lagerleiter haben sich darüber hinweggesetzt und so lagerten die Effekten oft jahrelang im Verborgenen unter anderem in einer Gaststätte in Schleswig-Holstein.“ Insgesamt konnten 4500 Umschläge mit persönlichen Gegenständen an Arolsen übergeben werden. Einige dieser Erinnerungsstücke konnten an die Familien der Verfolgten zurückgeben werden; in den anderen Fällen werden die Angehörigen noch gesucht.

 

Seit Anfang der 1980iger Jahre wird es zunehmend schwieriger Angehörige zu ermitteln. So konnten auch die Angehörigen von Friedrich Falke bislang nicht gefunden werden. Falke wurde 31.03.1912 in Hannover geboren und starb am 22.01.1945 im KZ Drütte. Ihm konnten eine Uhr und ein Ring mit einem blauen Stein zugeordnet werden. Die Ausstellung lädt daher Besucher ein, selbst auf Spurensuche zu gehen.

 

Begleitet wird die Wanderausstellung durch eine speziell für Jugendliche entwickelte Website mit animierten Filmen,

Webstories, Interviews und pädagogischen Begleitmaterialien. Außerdem können Besucher mit der #StolenMemory-App beim Ausstellungsbesuch Videoportraits von Angehörigen ansehen, die über die Bedeutung der Rückgaben sprechen.

 

Die Ausstellung ist bis zum 06. Oktober auf dem Rathausplatz in Dalum während der Öffnungszeiten des Rathauses oder nach Absprache zu besichtigen.

 

 

 

 

 

(Fotos v.o.n.u.: k.A., k.A., k.A.)