Emsland Moormuseum: Zusammenarbeit mit der Universität Osnabrück
Das Emsland Moormuseum in Geeste-Groß Hesepe wird für drei Jahre Schauplatz eines geschichtswissenschaftlichen Forschungsprojekts. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur hat das Vorhaben »Moorlandschaften als Interventionsräume« im August 2026 im Programm Pro*Niedersachsen bewilligt. Träger sind das Museum und die Professur für Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung der Universität Osnabrück. Start ist im Oktober 2026, geplant sind zwei Sonderausstellungen in Geeste.
Untersucht wird, wie sich der Umgang mit dem Bourtanger Moor zwischen 1945 und 2025 gewandelt hat: von der Entwässerung und Abtorfung – ab 1950 vor allem im Rahmen des Emslandplans – bis zur heutigen Wiedervernässung. Hintergrund ist die Rolle der Moore als Kohlenstoffspeicher: Sie bedecken weltweit nur drei bis vier Prozent der Landfläche, binden aber rund ein Drittel des in Böden gespeicherten Kohlenstoffs. Das Projekt fragt, wann, durch welche Akteure und gegen welche Widerstände sich diese Kehrtwende vollzog – auch im Vergleich mit den Niederlanden, wo die Renaturierung des Bargerveen bereits Ende der 1960er Jahre begann, während auf deutscher Seite vergleichbare Maßnahmen erst ab den 1990er Jahren einsetzten.
Grundlage ist unter anderem die Sammlung des Emsland Moormuseums mit rund 18.500 Objekten und etwa 4.000 Fachbüchern – einer der bedeutendsten Bestände zur Moorkultivierung in Europa. Hinzu kommen das Kreisarchiv Emsland mit den Akten zum Emslandplan, das Niedersächsische Landesarchiv, das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz und das Drents Archief in Assen. Im ersten Projektjahr sind Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen vorgesehen. Zur Geschichte der Moorkultivierung gehört auch deren Gewaltgeschichte: Zwischen 1933 und 1945 war die Arbeit im Moor an die Emslandlager gebunden und diente als Strafmittel. Die Universität arbeitet dazu mit der Gedenkstätte Esterwegen und dem Landkreis Emsland zusammen.
Die Ergebnisse kommen nach Geeste zurück: im zweiten Projektjahr in einer Sonderausstellung zur Nachkriegsplanung, zum Abschluss in einer zweiten zu Gegenwart und Zukunft des Moorschutzes. Auf Museumsseite verantwortet Leiterin Dr. Tanja Hasselberg die Kooperation; sie übernimmt im Wintersemester zusätzlich einen Lehrauftrag an der Universität Osnabrück. Das Museum bietet Praktikumsplätze, im Projekt können Bachelor- und Masterarbeiten entstehen. Vorausgegangen ist eine ebenfalls über Pro*Niedersachsen geförderte Zusammenarbeit seit 2024: die Erschließung des Nachlasses des Ingenieurs Karl-Hinrich Richard, der den Torfabbau von 1950 bis 1980 in mehr als fünfzig Aktenordnern dokumentiert.
„Die Moorgeschichte ist ein Stück Identität unserer Gemeinde. Dass sie nun wissenschaftlich aufgearbeitet wird und die Ergebnisse in zwei Ausstellungen direkt nach Geeste zurückkommen, ist ein Gewinn für das Museum und die gesamte Region“, sagt Bürgermeister Helmut Höke.
Textquelle: Blogbeitrag der Professur NGHM vom 10. September 2026 (nghm.hypotheses.org/50311).